Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. Mohnike K, Wieners G, Schwartz F, et al. Computed tomography-guided high-dose-rate brachytherapy in hepatocellular carcinoma: safety, efficacy, and effect on survival. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2010;78:172-9.
  2. Collettini F, Schnapauff D, Poellinger A, et al. Hepatocellular carcinoma: computed-tomography-guided high-dose-rate brachytherapy (CT-HDRBT) ablation of large (5-7 cm) and very large (>7 cm) tumours. Eur Radiol. 2012;22:1101-9.
  3. Schnapauff D, Denecke T, Grieser C, et al. Computed tomography-guided interstitial HDR brachytherapy (CT-HDRBT) of the liver in patients with irresectable intrahepatic cholangiocarcinoma. Cardiovasc Intervent Radiol. 2012;35(3):581-7.
  4. Collettini F, Golenia M, Schnapauff D, et al. Percutaneous computed tomography-guided high-dose-rate brachytherapy ablation of breast cancer liver metastases: initial experience with 80 lesions. J Vasc Interv Radiol. 2012;23(5):618-26.
  5. Ricke J, Wust P, Stohlmann A, et al. CT-Guided brachytherapy. A novel percutaneous technique for interstitial ablation of liver metastases. Strahlenther Onkol. 2004; 180:274-80.
  6. Collettini F, Singh A, Schnapauff D, et al. Computed-Tomography-Guided High-Dose-Rate Brachytherapy (CT-HDRBT) Ablation of Metastases Adjacent to the Liver Hilum. Eur J Radiol. 2013;82(10):509-14.
  7. Ricke J, Wust P, Wieners G, et al. Liver malignancies: CT-guided interstitial brachytherapy in patients with unfavorable lesions for thermal ablation. J Vasc Interv Radiol. 2004;15(11):1279-86.

Hochdosis-Brachytherapie (CT-HDRBT) zur Behandlung von Lebertumoren

 

Die Computertomographie-gesteuerte Hochdosis-Brachytherapie (CT-HDRBT) ist eine lokale Bestrahlung sowohl von lebereigenen Tumoren (Leberzellkarzinom (HCC) und Gallengangskarzinomen (CCC)) als auch Lebermetastasen.

 

Die CT-HDRBT ist vor ca. 10 Jahren an der Charité in Zusammenarbeit der radiologischen und der strahlentherapeutischen Klinik entwickelt worden. Es handelt sich um die Weiterentwicklung einer bereits in den 1980er Jahren angewandten intraoperativen Bestrahlungstechnik. Sie zeigt gegenüber den herkömmlichen Bestrahlungstechniken hinsichtlich Genauigkeit und Invasivität wesentliche Vorteile.

 

An unserer Klinik wird die CT-HDRBT routinemäßig für die minimal-invasive Behandlung von nicht operablen lebereigenen Tumoren und Lebermetastasen in großer Zahl erfolgreich eingesetzt.

 

Wie funktioniert die CT-HDRBT?

 

Für die lokale Bestrahlung werden zunächst ein oder mehrere spezielle Katheter (Afterloading-Katheter) unter computertomographischer Kontrolle direkt in den Tumor eingebracht. Dieser Eingriff ist ähnlich wie eine Punktion bzw. Biopsie des Tumors. Anschließend erfolgt bei liegendem Katheter eine Computertomographie der Leber, die zur Planung der Bestrahlung dient. Über den Afterloading-Katheter wird von außen eine Festkörper-Strahlenquelle (Iridium-192) in das Tumorinnere eingebracht, um den Tumor von innen zu bestrahlen (Abbildung 1). Dabei können sehr hohe Strahlendosen im Tumorinneren erreicht werden, bei gleichzeitigem Schutz des umgebenden Lebergewebes und anderer Organe. Die eigentliche Bestrahlung dauert zwischen 10 und 45 Minuten.

 

Nach der Therapie werden die Katheter wieder entfernt und der Stichkanal mittels eines Gewebeklebers verschlossen. Das gesamte Verfahren kommt ohne größere Hautschnitte aus, so dass es als minimal-invasiv bezeichnet werden kann. Nach unserer Erfahrung mit über 3000 Eingriffen wird die CT-HDRBT der Leber von den meisten Patienten sehr gut unter lokaler Betäubung und einem starken Schmerzmittel vertragen, so dass auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann. In der Regel reicht eine einmalige Therapie zur Behandlung des Tumors aus, nur in einzelnen Fällen, z. B. bei sehr großen Tumoren oder vielen Tumorknoten, muss das Verfahren mehrfach durchgeführt werden. Sollten sich im weiteren Verlauf der Erkrankung erneut Lebertumore zeigen, so kann das Verfahren in der Regel problemlos wiederholt werden.

 

Abbildung 1: Bestrahlung eines Tumors (in der Darstellung als CTV (clinical target volume – klinisches Zielvolumen) bezeichnet) mittels zwei Afterloading-Kathetern. Das gesamte Tumorvolumen (blaue gestrichelte Linie) wird in einer Sitzung mit 20 Gray (Gy) bestrahlt.

 

Welche Vorteile bietet die CT-HDRBT gegenüber anderen ablativen Verfahren?

 

Im Vergleich zu den weit verbreiteten thermischen Ablationsverfahren (wie der Radiofrequenzablation (RFA)) zeigt die CT-HDRBT auf Grund ihrer nicht thermischen Natur einige wichtige Vorteile.

 

Die thermische Ablation (z. B. RFA) ist bei großen Tumoren nur begrenzt möglich: In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei größeren Tumoren (>3 cm) eine ausreichende thermische Ablation deutlich schwieriger zu erreichen ist als bei kleineren und das thermische Verfahren daher für die Ablation von größeren Lebertumoren nicht geeignet ist.

 

Im Gegensatz dazu bestehen für die CT-HDRBT hinsichtlich der Tumorgröße keine Einschränkungen. Mehrere Studien, unter anderem auch von unserer Arbeitsgruppe, konnten zeigen, dass die CT-HDRBT auch für die Ablation von sehr großen Lebertumoren geeignet ist. Auch die Nähe eines Tumors zu großen Blutgefäßen oder eine starke Durchblutung des Tumors können den Erfolg der thermischen Ablation beschränken. Tumorangrenzende größere Blutgefäße (>3 mm Durchmesser) oder eine starke Durchblutung des Tumors bewirken einen Wärmeabtransport, so dass in der Nähe befindliche Tumorzellen unter Umständen nicht ausreichend zerstört werden können. Dagegen tritt das Phänomen der Gewebskühlung bei der CT-HDRBT nicht auf. Eine starke Durchblutung oder die Nähe des Tumors zu größeren Blutgefäßen hat somit keinen negativen Einfluss auf das Therapieergebnis.

 

Welche Komplikationen können bei der CT-HDRBT auftreten?

 

Die behandlungsbedingte Komplikationsrate der CT-HDRBT ist sehr gering. Potentielle Komplikationen bestehen bei der CT-HDRBT im Zusammenhang mit der perkutanen Katheterpositionierung. Verletzungen umliegender Organe (z. B. Lunge, Magen, Darm) oder Blutungen können mit Hilfe der Punktion unter computertomographischer Sicht in der Regel vermieden werden.

 

Um bestrahlungsbedingte Komplikationen, wie Verbrennungen an der Haut oder eine Magenschleimhautentzündung, zu vermeiden, werden strahlensensible Strukturen (z. B. Magen und Darm) im Rahmen der Planung der Therapie berücksichtigt und bei der Bestrahlung geschont.

 

Wenn sehr große Tumorvolumina bestrahlt werden, kann es durch den Tumorzerfall und dadurch bedingte körpereigene Reaktionen 4 – 6 Stunden nach dem Eingriff zu Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit kommen. Die Symptome halten in der Regel nur einige Stunden an und können meist mittels medikamentöser Behandlung gemildert werden.

 

Nachsorge

 

Für die Therapie nehmen wir Patienten für ca. 3 - 4 Tage auf unserer Station auf. Nach der Therapie bestehen keine Einschränkungen bezüglich Ihrer üblichen Gewohnheiten. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle drei Monate empfehlen wir eine ambulante Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber, möglichst mit Leberzell-spezifischem Kontrastmittel, um den Bestrahlungserfolg zu überprüfen und mögliche Rezidive oder neue Lebertumore zu erkennen. Dieses MRT können Sie ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die MRT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur weiteren Beurteilung.

 

Sollten Sie Fragen zur CT-HDRBT der Leber haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne!

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiele

 

Abbildung 2: Behandlung eines über 5 cm großen Leberzellkarzinoms mittels CT-HDRBT. Das MRT-Bild vor der Behandlung zeigt einen großen Tumor (a). Zur Bestrahlung werden drei Katheter unter computertomographischer Sicht im Tumor platziert (b). Anschließend erfolgt die 3D-Planung der Tumorbestrahlung (c). Die MRT-Untersuchung im Rahmen der Nachsorge zeigt eine nahezu vollständige Schrumpfung des behandelten Tumors 12 Monate nach CT-HDRBT (d). (Modifiziert aus Collettini et al. (2))

 

Abbildung 3: Behandlung einer großen Lebermetastase eines Brustkrebses mittels CT-HDRBT. Das MRT-Bild vor der Behandlung zeigt eine Tumorabsiedlung (Metastase) im rechten Leberlappen (Pfeil) (A). 3D-Planung der Tumorbestrahlung (B). Die MRT-Untersuchungen im Rahmen der Nachsorge zeigen eine deutliche Größenabnahme der Lebermetastase 3 Monate (E) sowie 32 Monate (F) nach CT-HDRBT. (Modifiziert aus Collettini et al. (4))