Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. Mahnken A, Tacke J. Renal tumors. Recent Results Cancer Res. 2006; 167: 123–133
  2. Gebauer B, Werk M, Lopez-Hänninen E, et al. Radiofrequency ablation in combination with embolization in metachronous recurrent renal cancer in solitary kidney after contralateral tumor nephrectomy. Cardiovasc. Intervent. Radiol. 2007; 30: 644–649
  3. Li D, Pua BB, Madoff DC. Role of embolization in the treatment of renal masses. Semin. Interv. Radiol. 2014; 31: 70–81

Embolisation von gutartigen und bösartigen Nierentumoren

 

Auch in die Behandlung gutartiger und bösartiger Tumoren der Nieren ist die interventionelle, bildgesteuerte Radiologie eingebunden. Die Embolisation, also der Verschluss der tumorversorgenden Gefäße, ist dabei häufig nur ein Teil eines komplexeren Therapiekonzeptes. Ein solches Konzept wird für jeden Patienten und jede Patientin individuell anhand moderner Bildgebung, wie der Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), und im interdisziplinären Dialog mit den Kollegen der Urologie und Nephrologie erstellt.

 

Wann und warum wird eine solche Embolisation durchgeführt?

 

Die Gründe für eine Embolisation, also den gezielten Verschluss der tumorversorgenden Gefäße, sind eine plötzliche oder wiederholt auftretende Blutung, eine vorbereitende Behandlung vor einer geplanten Radiofrequenzablation (RFA) oder einer operativen, nierenerhaltenden Entfernung des Tumors oder eine alleinstehende Behandlung bei nicht mehr operablem Befund.

 

Nierentumoren können aufgrund ihrer Größe oder eines tief eindringenden  Wachstums innerhalb des Organs zu Blutungskomplikationen führen. Hierzu zählen eine freie Blutung in den Bauchraum mit zum Teil lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen sowie ein Blutabgang mit dem Urin (Hämaturie), der letztlich zu einer Verstopfung der Urinausscheidung führen kann. Diese ist nicht nur schmerzhaft, sondern würde unbehandelt auch den Funktionsverlust der betroffenen Niere nach sich ziehen. Eine Blutung kann aber auch nach einer nierenerhaltenden Operation von Tumoren im Sinne einer postoperativen Komplikation am Schnittrand auftreten. All diese Blutungskomplikationen können schnell und effektiv mit einer Embolisation behandelt werden, so dass eine Notfalloperation vermieden werden kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen gutartigen Tumor, wie zum Beispiel um ein gefäßreiches Angiomyolipom, oder um einen bösartigen Tumor, wie das Nierenzellkarzinom handelt.

 

Unabhängig von der Beherrschung einer akuten Situation, bedürfen insbesondere die Nierenzellkarzinome einer weitergehenden Behandlung. Sie werden in den meisten Fällen operativ entfernt, entweder unter Erhalt eines Teils der betroffenen Niere, oder, wenn es technisch nicht anders möglich ist, durch Entfernung des gesamten Organs. Lassen die bildgebenden Befunde aus CT oder MRT ein erhöhtes Blutungsrisiko während der Operation erwarten, kann eine vorgeschaltete Embolisation, meist einen Tag vor der Operation, dieses deutlich verringern. Bei Patientinnen und Patienten mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion ist der Erhalt von möglichst viel gesundem Nierengewebe wichtig. Gerade in solchen Fällen wird gerne auf die von uns angebotene Radiofrequenzablation, also das Erhitzen des Tumors bis zum Absterben, zurückgegriffen. Für eine schonendere und sicherere Ablation des Tumors empfiehlt sich auch hier eine vorgeschaltete Embolisation, ebenfalls einen Tag vor der geplanten Therapie.

 

In Einzelfällen sind eine operative Behandlung eines Nierenzellkarzinoms und auch eine Radiofrequenzablation aus technischen oder klinischen Gründen nicht möglich. Hier können durch eine gezielte Embolisation der Tumoren zumindest möglicherweise bestehende Beschwerden gelindert und drohende Komplikationen infolge eines weiteren Tumorwachstums verhindert werden.

Gutartige Tumoren oder Gefäßmissbildungen sind vergleichsweise selten und werden meist wegen Blutungskomplikationen auffällig und dann behandelt. Hier bietet die gezielte Embolisation eine effektive und minimal-invasive Alternative zur Operation.

 

Wie wird die Embolisation durchgeführt?

 

Über einen kleinen Zugang in das Gefäßsystem, meist in der rechten Leiste, wird ein schmaler Katheter unter Röntgenkontrolle in das versorgende Gefäß der betroffenen Niere geführt. Durch die Gabe geringer Mengen Kontrastmittel können in den sich weiter verzweigenden Nierengefäßen die tumorversorgenden Äste identifiziert und anschließend mit einem noch feineren Katheter (ca. 1 mm Durchmesser) sondiert werden. Vor Ort werden dann wahlweise kleinste Kunststoffpartikel oder gefäßverklebende Substanzen in den Tumor eingeschwemmt bis er schließlich vollständig von der Blutversorgung abgeschnitten ist. Anschließend wird der schmale Katheter wieder entfernt. Um möglicherweise auftretende Schmerzen infolge des Tumorsterbens effektiv zu unterdrücken, erhalten alle Patientinnen und Patienten während und nach der Behandlung ausreichend Schmerzmittel.

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiele

 

Fall 1

Abbildung 1 zeigt den Fall einer 49jährigen Patientin mit immer wiederkehrenden Blutungen aus einer Niere in die harnableitenden Organe (Harnleiter, Harnblase). Die Blutungen machten sich durch eine rötliche Verfärbung des Urins und eine Verstopfung der Harnableitungswege bemerkbar. Zunächst wurde eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Nieren zur Klärung der Ursache für die Blutung durchgeführt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fall 2

Abbildung 2 zeigt den Fall einer 65jährigen Patientin ebenfalls mit rezidivierendem Nachweis von Blut im Urin. In der Computertomographie (CT) der Nieren zeigt sich im oberen Anteil der rechten Niere eine sehr kräftig durchblutete Raumforderung (Stern), bei der ein bösartiges Nierenzellkarzinom vermutet wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Hier sehen wir speziell die Untersuchung der Nierengefäße und der Blutversorgung beider Nieren (1A). Wir schauen von vorne auf die Patientin und erkennen deutlich, dass die rechte Niere (weißes Kreuz) besser durchblutet ist und heller zur Darstellung kommt als die linke Niere (weißes Doppelkreuz). Hier kann man die Konturen nur schemenhaft erkennen. Dafür sieht man einen kleinen hellen Fleck (weißer Pfeil) und eine verfrühte Kontrastierung der Nierenvene (weißer Pfeilkopf). Die Nierenvene führt das in der Niere gefilterte Blut wieder zurück zum Herzen. Das heißt, dass auf der linken Seite das Blut zu schnell zurückgeleitet und die Niere nicht ausreichend durchblutet wird. Solch ein Befund ist typisch für eine arteriovenöse Malformation (AVM), eine Raumforderung mit einem Kurzschluss zwischen den Arterien und den Venen eines Organs. Solche Tumore finden sich auch in anderen Organen, wie dem Gehirn, und neigen zu Blutungen. Anschließend wurde die Patientin mit dem Ziel des Verschlusses der AVM angiographiert (1B), wobei das filigrane Gefäßknäuel der AVM (schwarzer Pfeil) und auch der verfrühte Rückstrom des Blutes über die Nierenvene (schwarzer Pfeilkopf) gut zu erkennen sind. Die atypischen Gefäße konnten mit Hilfe von Platinspiralen, sogenannten Coils (weißer Pfeil), vollständig verschlossen werden, und in der Kontrollangiographie zeigte sich kein verfrühter venöser Rückstrom bei kräftiger Kontrastierung der Niere (1C). Eine Operation als alternatives Verfahren wäre invasiver gewesen und hätte auch den Verlust eines deutlich größeren Anteils an Nierengewebe zur Folge gehabt. Die Patientin ist seit der Embolisationsbehandlung beschwerdefrei.

 

Abbildung 2: In der CT markiert der schwarze Pfeil die Nierenarterie (2A), das Gefäß, über welches das Blut in das Organ fließt. Der schwarze Pfeilkopf zeigt auf das kleine Gefäß, welches den Tumor versorgt. Um eine möglichst schonende Entfernung des Tumors mit minimierter Blutungsgefahr zu gewährleisten, sollten die Gefäße der Raumforderung vor der geplanten Entfernung verschlossen werden. Solche gefäßverschließenden Maßnahmen werden auch als Embolisation bezeichnet. In der Angiographie (2B) stellen sich die Gefäße der Niere analog zum CT dar und auch der Tumor lässt sich gut abgrenzen (Stern). Ein sehr feiner Katheter mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter wird bis in die tumorversorgenden Äste vorgeführt, wo diese dann z.B. unter Verwendung von kleinsten Kunststoffpartikeln verschlossen werden. In Abbildung 2C liegt ein solcher Katheter in dem Tumorgefäß und nach Kontrastmittelgabe ist nur noch der Tumor zu erkennen. In dieser Position beginnt die Embolisation. In der Abschlusskontrolle (2D) ist die Raumforderung nahezu vollständig von der Durchblutung abgeschnitten, während das übrige Nierengewebe normal versorgt wird. Die Patientin wurde im Anschluss komplikationsfrei operiert. Eine alternative Therapie für solche Fälle wäre eine Radiofrequenzablation, womit gänzlich auf eine Operation verzichtet werden kann.

1A

1B

1C

2A

2B

2C

2D