Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. Broviac JW, Cole JJ, Scribner BH. A silicone rubber atrial catheter for prolonged parenteral alimentation. Surg Gynecol Obstet. 1973 Apr;136(4):602-6. PubMed PMID: 4632149
  2. Hickman RO, Buckner CD, Clift RA, Sanders JE, Stewart P, Thomas ED. A modified right atrial catheter for access to the venous system in marrow transplant recipients. Surg Gynecol Obstet. 1979 Jun;148(6):871-5. PubMed PMID: 109934.
  3. Graham AS, Ozment C, Tegtmeyer K, Lai S, Braner DA. Videos in clinical medicine. Central venous catheterization. N Engl J Med. 2007 May 24;356(21):e21. PubMed PMID: 17522396.
  4. Ortega R, Song M, Hansen CJ, Barash P. Videos in clinical medicine. Ultrasound-guided internal jugular vein cannulation. N Engl J Med. 2010 Apr 22;362(16):e57. doi: 10.1056/NEJMvcm0810156. PubMed PMID: 20410510.
  5. Seldinger SI. Catheter replacement of the needle in percutaneous arteriography; a new technique. Acta radiol. 1953 May;39(5):368-76. PubMed PMID: 13057644.

Video

Video 1 – Darstellung der ultraschallgestützten venösen Punktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Video auf der linken Seite). Der Interventionsradiologe verfolgt das Einführen der Nadel auf dem Ultraschallmonitor. Dort ist die Vene dunkel dargestellt, während die Nadelspitze als heller Punkt abgebildet ist. Sobald der helle Punkt innerhalb des Gefäßes erscheint, sieht der Radiologe, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird (Video freundlicherweise von Dr. de Bucourt zur Verfügung gestellt).

Hickman-/Broviac-Katheter

 

Der erste getunnelte Katheter wurde von Broviac zur Ernährungstherapie von Kindern entwickelt und 1973 vorgestellt (1). Eine Weiterentwicklung erfolgte durch Hickman (der Hickman-Katheter verfügt über zwei Polyester-Manschetten) für Patienten mit Knochenmarkstransplantation (2).

 

Abbildung 1 – Schematische Darstellung des Hickman-/Broviac-Katheter. Bei diesem Katheter wird die Spitze am Übergang der rechten oberen Hohlvene zum rechten Vorhof platziert.

 

Heutzutage besteht der Kunststoffschlauch der meisten getunnelten Katheter aus Silikon oder Polyurethan. Wie bei anderen zentralvenösen Kathetern ist das Material so gewählt, dass es möglichst hautverträglich ist, gleichzeitig bei Flexibilität kaum Knickneigung zeigt, von der Oberflächenbeschaffung möglichst unattraktiv für potentielle Keimbesiedlung ist und den normalen (laminaren) Blutfluss möglichst wenig stört. Der äußere Durchmesser des getunnelten Katheters (Broviac, Hickman) beträgt meist zwischen 6 und 13 F (entspricht 2 - 4,5 mm). Jedes Lumen wird an der körperfernen Seite (zur Sicherheit ggf. mehrfach) verschlossen. Zum Schutz vor unbeabsichtigtem Verrutschen (Dislokation), beispielsweise im Schlaf, wird ein getunnelter Katheter am Patienten befestigt (per Fixationsnaht und/oder Fixationspflaster).

 

Welche Gründe (Indikationen) gibt es für einen getunnelten Katheter?

 

Für die Anlage eines getunnelten Katheters gibt es eine Reihe von möglichen Gründen, welchen allesamt eine längerfristige Nutzung innewohnt, z. B.

  • Die Chemotherapie oder die regelmäßige, längerfristige Gabe anderer Medikamente (insbesondere Hickman-Katheter)
  • Die Gabe höherviskoser Lösungen, z. B. für die künstliche Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes (sog. parenterale Ernährung; insbesondere Broviac-Katheter)

 

Wie funktioniert die Anlage eines getunnelten Katheters im Allgemeinen und welche Besonderheiten bietet die Anlage in unserer Interventionsradiologie?

 

Allgemein erfolgt die Katheterimplantation unter örtlicher Betäubung am Hals oberhalb des Schlüsselbeins (Gefäßeintrittsstelle des Katheters nach zentral) und an der seitlichen vorderen Brustwand (Katheteraustrittsstelle aus dem Körper) – in der dazwischen liegenden Strecke verläuft der Katheter „getunnelt“ unterhalb der Haut (subkutan). Seltener befindet sich die Gefäßeintrittsstelle auch unterhalb des Schlüsselbeins und in wenigen begründeten Ausnahmefällen auch an der Leiste (die Katheteraustrittsstelle wird entsprechend angepasst). Grundsätzlich kann die Gefäßpunktion in Kenntnis der Anatomie „blind“ oder ultraschallgestützt in keimarmer Umgebung erfolgen.

 

Für unsere Interventionsradiologie gelten folgende Besonderheiten:

  • Die Anlage erfolgt stets und sterilen Bedingungen (Prinzip der maximalen sterilen Barriere) nach sorgfältiger Hautdesinfektion und Abdeckung in steriler Kleidung und Handschuhen inklusive Mundschutz und Haube.
  • Die Anlage kann unter lokaler Betäubung oder umfangreicherer Medikation bis hin zur Vollnarkose durch einen Anästhesisten erfolgen.
  • Die Gefäßpunktion erfolgt zur Vermeidung von Komplikationen stets ultraschallgestützt (siehe Abbildung 2 sowie Video 1; detaillierte sehenswerte Video-Dokumentationen zur ultraschallgestützten Venenpunktion finden sich z. B. im New England Journal of Medicine (3, 4)).
  • Die ZVK-Anlage erfolgt stets unter Anwendung einer möglichst sicheren und schonenden Katheterplatzierungs-Technik (Seldinger-Technik (5)) unter röntgenologischer Sichtkontrolle.
  • Zum Abschluss erfolgt noch auf dem Implantationstisch eine röntgenologische Kontrollaufnahme um Komplikationen (z. B. einen Pneumothorax) nach Möglichkeit auszuschließen.

 

 

 

Abbildung 2 – Die Abbildung zeigt den Zeitpunkt der ultraschallgestützten Venenpunktion rechts oberhalb des Schlüsselbeins (der Kopf des Patienten befindet sich im Bild auf der linken Seite). Auf dem Ultraschallmonitor (rechte Bildseite) erscheint die Vene (langer dünner Pfeil im Monitorbild) dunkel und lässt im Inneren einen hellen Punkt erkennen. Dieser Punkt entspricht der Nadelspitze und zeigt an, dass das Gefäß erfolgreich angesteuert wurde. Zusätzlich wird die korrekte Lage durch Anzug von etwas Blut überprüft bevor mit der Katheteranlage fortgefahren wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie lange kann ein getunnelter Katheter verwendet werden und welche Alternativen gibt es?

 

Getunnelte zentralvenöse Katheter weisen meist eine maximale Liegedauer von drei bis zwölf Monaten auf. Bei fehlenden Alternativen kann oder muss die Liegedauer im Einzelfall verlängert werden – sofern der Patient den Katheter gut verträgt und die klinische Notwendigkeit hierfür gegeben ist.

 

Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne!