Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. Collettini F, Schnapauff D, Poellinger A, Denecke T, Banzer J, Golenia MJ, Wust P, Gebauer B. Perkutane CT-gesteuerte Hochdosis-Brachytherapie (CT-HDRBT) von primären und metastatischen Lungentumoren in nicht chirurgischen Kandidaten; Fortschr Röntgenstr 2012; 184(4): 316-323, DOI: 10.1055/s-0031-1299101.
  2. Ricke J, Wust P, Hengst S, Wieners G, Pech M, Herzog H, Felix R. CT-guided interstitial brachytherapy of lung malignancies. Technique and first results. Radiologe. 2004 Jul;44(7):684-6.
  3. Ricke J, Wust P, Wieners G, Hengst S, Pech M, Lopez Hänninen E, Felix R. CT-guided interstitial single-fraction brachytherapy of lung tumors: phase I results of a novel technique. Chest. 2005 Jun;127(6):2237-42.
  4. Peters N, Wieners G, Pech M, Hengst S, Rühl R, Streitparth F, Lopez Hänninen E, Felix R, Wust P, Ricke J. CT-guided interstitial brachytherapy of primary and secondary lung malignancies: results of a prospective phase II trial. Strahlenther Onkol. 2008 Jun;184(6):296-301.

Hochdosis-Brachytherapie (CT-HDRBT) zur Behandlung von Lungentumoren

 

Die Computertomographie-gesteuerte Hochdosis-Brachytherapie (CT-HDRBT) ist eine lokale Bestrahlung von Lungentumoren (Bronchialkarzinom) und Lungenmetastasen.

 

Die CT-HDRBT ist vor ca. 10 Jahren an der Charité in Zusammenarbeit der radiologischen und der strahlentherapeutischen Klinik entwickelt worden. Es handelt sich um die Weiterentwicklung einer bereits in den 1980er Jahren angewandten intraoperativen Bestrahlungstechnik. Sie zeigt gegenüber den herkömmlichen Bestrahlungstechniken hinsichtlich Genauigkeit und Invasivität wesentliche Vorteile.

 

An unserer Klinik wird die CT-HDRBT routinemäßig für die minimal-invasive Behandlung von nicht operablen primären Lungentumoren oder -metastasen eingesetzt.

 

Wie funktioniert die CT-HDRBT?

 

Für die lokale Bestrahlung werden zunächst ein oder mehrere spezielle Katheter (Afterloading-Katheter) unter computertomographischer Kontrolle direkt in den Tumor eingebracht. Dieser Eingriff ist ähnlich wie eine Punktion bzw. Biopsie des Tumors. Anschließend erfolgt bei liegendem Katheter eine Computertomographie der Lunge, die zur Planung der Bestrahlung dient. Über den Afterloading-Katheter wird von außen eine Festkörper-Strahlenquelle (Iridium-192) in das Tumorinnere eingebracht, um den Tumor von innen zu bestrahlen (Abbildung 1). Dabei können hohe Strahlendosen im Tumorinneren erreicht werden, bei gleichzeitigem Schutz der umgebenden Lunge und anderer Organe.

 

Die Gesamtdauer des Eingriffs beläuft sich auf 2 - 3 Stunden, die eigentliche Bestrahlung dauert je nach Tumorgröße 10 - 50 Minuten. Die CT-HDRBT der Lunge kann nur unter stationären Bedingungen angeboten werden.

 

Abbildung 1: Bestrahlung eines Tumors mittels eines Afterloading-Katheters. Das gesamte Tumorvolumen (innere dunkelblaue Linie) erhält eine Strahlendosis von 20 Gray (Gy) (dunkelrote Linie).

 

Nach der Therapie werden die Katheter wieder entfernt und der Stichkanal mittels eines speziellen Gewebeklebers verschlossen. Das gesamte Verfahren kommt ohne größere Hautschnitte oder Eingriffe aus, so dass es als minimal-invasiv bezeichnet werden kann. Nach unserer Erfahrung wird der Eingriff von den meisten Patienten gut unter lokaler Betäubung und einem starken Schmerzmittel vertragen, so dass auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann. In der Regel reicht eine einmalige Therapie zur Behandlung des Tumors aus, nur in einzelnen Fällen, z. B. bei sehr großen Tumoren oder vielen Tumorknoten, muss das Verfahren mehrfach durchgeführt werden. Sollten sich im weiteren Verlauf der Erkrankung erneut Lungentumore zeigen, so kann das Verfahren wiederholt werden.

 

Welche Vorteile bietet die CT-HDRBT gegenüber anderen ablativen Verfahren?

 

Im Vergleich zu den weit verbreiteten thermischen Ablationsverfahren (wie der Radiofrequenzablation (RFA)) zeigt die CT-HDRBT auf Grund ihrer nicht thermischen Natur einige wichtige Vorteile.

 

Die thermische Ablation (z. B. RFA) ist bei großen Tumoren nur begrenzt möglich: In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei größeren Tumoren (>3 cm) eine komplette thermische Abtötung aller Tumorzellen deutlich schwieriger zu erreichen ist als bei kleineren und das thermische Verfahren daher für die Ablation von größeren Lungentumoren nicht geeignet ist.

 

Im Gegensatz dazu bestehen für die CT-HDRBT hinsichtlich der Tumorgröße keine Einschränkungen. Mehrere Studien, unter anderem auch von unserer Arbeitsgruppe, konnten zeigen, dass die CT-HDRBT auch für die Ablation von großen Lungentumoren geeignet ist. Auch eine Nähe des Tumors zu großen Blutgefäßen oder eine starke Durchblutung des Tumors können den Erfolg der thermischen Ablation beschränken. Tumorangrenzende größere Blutgefäße (>3 mm Durchmesser) oder eine starke Durchblutung des Tumors bewirken einen Wärmeabtransport, so dass in der Nähe befindliche Tumorzellen unter Umständen nicht ausreichend zerstört werden. Dagegen tritt das Phänomen der Gewebskühlung bei der CT-HDRBT nicht auf. Eine starke Durchblutung oder die Nähe des Tumors zu größeren Blutgefäßen hat somit keinen negativen Einfluss auf das Therapieergebnis der CT-HDRBT.

 

Welche Komplikationen können bei der CT-HDRBT auftreten?

 

Mögliche Komplikationen bestehen bei der CT-HDRBT im Zusammenhang mit der perkutanen Katheterpositionierung. Das Auftreten von Verletzungen von umliegenden Organen kann durch die Punktion unter computertomographischer Sicht in der Regel vermieden werden.

 

Um bestrahlungsbedingte Komplikationen, wie Verbrennungen an der Haut oder eine Speiseröhrenschleimhautentzündung, zu vermeiden, werden strahlensensible Strukturen (z. B. Ösophagus und Rückenmark) während der Planung der Therapie berücksichtigt und bei der Bestrahlung geschont.

 

Wenn sehr große Tumorvolumina bestrahlt werden, kann es durch den Tumorzerfall und dadurch bedingte körpereigene Reaktionen nach dem Eingriff zu Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit kommen. Die Symptome halten nur wenige Stunden an und können meist mittels medikamentöser Behandlung gemildert werden.

 

Eine typische Komplikation der Behandlung der Lunge ist das Auftreten eines Pneumothorax (Ansammlung von Luft zwischen Lunge und Brustwand). Dieser kann aber sehr gut durch Legen einer Saugdrainage (Bülau-Drainage) behandelt werden.

 

Nachsorge

 

Die Therapie erfolgt während eines 3 - 4 tägigen Aufenthaltes auf unserer Station. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle drei Monate empfehlen wir eine Computertomographie (CT) der Lunge mit Kontrastmittel, um das Bestrahlungsergebnis zu überprüfen und neue Lungentumore auszuschließen. Dieses CT können Sie ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die CT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um Zusendung der Bilddaten als CD-Rom.

 

Sollten Sie Fragen zur CT-HDRBT der Lunge haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne!

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiel

 

Abbildung 2: Behandlung einer nicht operablen Lungenmetastase mittels CT-HDRBT. Die erste Abbildung zeigt den Ausgangsbefund der Lunge mit Nachweis einer über 4 cm großen Metastase im rechten Lungenflügel (a). 3D-Planung der Tumorbestrahlung nach Platzierung eines Katheters unter computertomographischer Sicht (b). Nach Therapie mittels CT-HDRBT zeigt sich in der CT zunächst eine deutliche Größenabnahme der Metastase (c). Sieben Monate später zeigt die CT ein erneutes Tumorwachstum (Tumorrezidiv) im behandelten Areal (d). Das Rezidiv konnte durch erneute CT-HDRBT (e) erfolgreich behandelt werden (f). (Modifiziert aus Collettini et al. (1))