Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

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    Semin Intervent Radiol. 2013 Jun;30(2):141-150. Review
  3. Sharma A, Abtin F, Shepard JA. Image-guided ablative therapies for lung cancer.
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  4. Crocetti L, Lencioni R. Radiofrequency ablation of pulmonary tumors. Eur J Radiol. 2010 Jul;75(1):23-7. doi: 10.1016/j.ejrad.2010.04.011. Epub 2010 May 10

 

Radiofrequenzablation (RFA) zur Behandlung von Lungentumoren

 

Die chirurgische Resektion gilt als Methode der Wahl für die Behandlung isolierter Lungenmetastasen sowie lokal begrenzter Primärmalignome der Lunge (Lungenkarzinome). Bei vielen Patienten ist die Resektion allerdings aufgrund einer schlechten Lungenfunktion, eines zu hohen OP-Risikos oder wegen schwerer Begleiterkrankungen nicht durchführbar. Behandlungsalternativen für diese Patienten sind traditionell die Bestrahlung und die systemische Chemotherapie.

 

Obwohl Bestrahlung und Chemotherapie einen gewissen Erfolg erreichen können, gehen diese Therapien oft mit erheblicher Toxizität einher; dies gilt insbesondere für Patienten mit einer eingeschränkten Lungenfunktion oder schweren Begleiterkrankungen.

 

Wegen dieser Beschränkungen haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten minimal-invasive Ablationstechniken entwickelt, die eine zunehmende Rolle in der integrierten onkologischen Versorgung einnehmen. 1995 wurde an der amerikanischen Harvard University die Therapie mittels Radiofrequenzablation (RFA) als minimal-invasive Option für Patienten mit inoperablen Lungentumoren zum ersten Mal durchgeführt. Diese Technik erhält seitdem sehr viel Aufmerksamkeit. Eine große Anzahl an Studien konnte in den vergangenen Jahren die Sicherheit und Effizienz dieser Technik wissenschaftlich beweisen, so dass die RFA heute als alternative Therapie zur Behandlung von chirurgisch nicht resezierbaren primären und sekundären Lungentumoren gilt.

 

Wie funktioniert die RFA?

 

Der Wirkmechanismus der RFA basiert auf der Hitzekoagulation des Tumors (Tumorzerstörung durch Wärme) mit Hilfe einer ca. 3 mm durchmessenden Nadelelektrode, die unter computertomographischer Steuerung ins Tumorinnere eingebracht wird. Nach perkutaner (durch die Haut) Positionierung bewirkt die Aktivierung der Nadelelektrode im Zielorgan eine lokale Gewebeerhitzung (bis ca. 100°C) des Tumorareals mit anschließender Koagulationsnekrose (Zelltod durch Erhitzung) des Tumors (Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Prinzip der Radiofrequenzablation (RFA): Über die Einleitung eines hochfrequenten Wechselstroms (400 - 500 kHz) kommt es nahe des in den Tumor eingebrachten Applikators zu einer sehr schnellen Bewegung der geladenen Teilchen. Diese Bewegung der Teilchen führt zu einer Erhitzung des umgebenden Gewebes und somit zum Tumorzelluntergang.

 

Nach der Ablation (die ungefähr 15 - 30 Minuten dauert) wird die Nadelelektrode wieder entfernt und der Stichkanal mittels eines speziellen Gewebeklebers verschlossen. Das gesamte Verfahren kommt ohne größere Hautschnitte aus, so dass es als minimal-invasiv bezeichnet werden kann. Der Eingriff wird von den meisten Patienten sehr gut unter lokaler Betäubung und einem starken Schmerzmittel vertragen, so dass meistens auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann. In der Regel reicht bei kleinen Tumoren eine einmalige RFA-Behandlung aus; größere Tumoren (>5 cm) werden an unserer Klinik nicht mittels RFA behandelt. Sollten sich im weiteren Verlauf der Erkrankung neue Lungentumore zeigen, so kann das Verfahren ggf. wiederholt werden.

 

Welche Komplikationen sind mit der RFA verbunden?

 

Die behandlungsbedingte Komplikationsrate der RFA ist gering. Potentielle Komplikationen bestehen im Zusammenhang mit der perkutanen Positionierung der RFA-Sonde. Die häufigste Komplikation ist das Eintreten von Luft in den Pleuraspalt mit nachfolgendem Pneumothorax. Dieser Pneumothorax ist allerdings mittels einer perkutan eingebrachten Drainage und dem Absaugen der Luft zu therapieren (Bülau-Drainage). Die Drainage verbleibt für einige Tage und kann dann wieder entfernt werden. Durch die Punktion der Lunge kann es auch für kurze Zeit zu Blutspucken (Hämoptysen) kommen. Darüber hinaus können prinzipiell umliegende Organe wie Bronchien, Trachea, Herz, Leber, Zwerchfell, Nerven, oder Speiseröhre verletzt oder thermisch geschädigt werden. Diese Komplikationen können jedoch durch die CT-gesteuerte Sondenplatzierung und die CT-Kontrolle der Ablation in der Regel vermieden werden. Zusätzlich können Infektionen mit Abszessen oder Blutungen auftreten.

 

Stärken und Schwächen der RFA

 

Die RFA stellt nachweislich eine effektive und komplikationsarme therapeutische Option zur Behandlung primärer und sekundärer Lungentumore dar. Die RFA ist außerdem aufgrund der bildgesteuerten Einführung der RFA-Sonden in den Tumor ohne größere Hautschnitte gut verträglich und komplikationsarm und kann auch für Patienten mit vorangegangenen Lungenoperationen oder weiteren Begleiterkrankungen, die gegen eine erneute Resektion sprechen, in Frage kommen.

 

Die Behandlung mittels RFA unterliegt jedoch in Bezug auf Größe und Lage der Lungentumoren einigen wichtigen Einschränkungen. Mit den aktuell verfügbaren RFA-Sonden sind Tumore bis zu einem Durchmesser von 4 bis maximal 5 cm therapierbar. Der tumorschädigende Effekt der RFA wird auch durch die Lage der Lungentumore beeinflusst. Angrenzende größere Blutgefäße bewirken einen Wärmeabtransport, so dass in der Nähe befindliche Tumorzellen unter Umständen nicht ausreichend thermoinduziert geschädigt werden. Daher können Tumoren, die sich in der Nähe von größeren Blutgefäßen befinden, oft nicht mittels RFA behandelt werden. Die Nähe zu thermosensiblen Strukturen (z. B. Bronchien und Luftröhre) stellt eine weitere Beschränkung der RFA dar, da diese Strukturen durch die Gewebserhitzung während der RFA geschädigt werden können.

 

Die RFA ist daher generell nicht bei Tumoren, die eine Größe von 3 cm überschreiten oder sich in der Nähe des Lungenhilus befinden, anzuwenden.

 

Nachsorge nach RFA

 

Für die Therapie planen wir einen ca. 2 - 4-tägigen stationären Aufenthalt. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle drei Monate empfehlen wir ein ambulante Computertomographie (CT) des Thorax, möglichst mit Kontrastmittel, um den Ablationserfolg zu überprüfen und neue Lungentumore auszuschließen. Dieses CT können Sie ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die CT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um eine Zusendung der Bilddaten als CD-Rom.

 

Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne!

 

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

 

Fallbeispiel

 

Abbildung 2: Das Beispiel illustriert die Behandlung einer isolierten Lungenmetastase mittels RFA. Die vor der Behandlung durchgeführte CT-Untersuchung (linkes Bild) zeigt eine einzelne Lungenmetastase (Pfeil). Zur Behandlung wird die RFA-Sonde unter CT-fluoroskopischer Sicht in die Metastase vorgeschoben (mittleres Bild). Sobald die Sonde korrekt platziert ist, erfolgt die Ablation der Metastase. Zwei Jahre nach der RFA-Behandlung zeigt die CT-Untersuchung (rechtes Bild) eine narbige Veränderung des Lungengewebes an der Ablationsstelle.