Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2012/kid_2012_c64.pdf?__blob=publicationFile
  2. Best SL, Park SK, Youssef RF, Olweny EO, Tan YK, Trimmer C, Cadeddu JA. Long-term outcomes of renal tumor radio frequency ablation stratified by tumor diameter: size matters. J Urol. 2012 Apr;187(4):1183-9. doi: 10.1016/j.juro.2011.11.096.
  3. Escudier B, Eisen T, Porta C, Patard JJ, Khoo V, Algaba F, Mulders P, Kataja V; ESMO Guidelines Working Group. Renal cell carcinoma: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2012 Oct;23 Suppl 7:vii65-71.
  4. Campbell SC, Novick AC, Belldegrun A, Blute ML, Chow GK, Derweesh IH, Faraday MM, Kaouk JH, Leveillee RJ, Matin SF, Russo P, Uzzo RG; Practice Guidelines Committee of the American Urological Association. Guideline for management of the clinical T1 renal mass. J Urol. 2009 Oct;182(4):1271-9. doi: 10.1016/j.juro.2009.07.004. Epub 2009 Aug 14.

Radiofrequenzablation (RFA) zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms

 

Das Karzinom der Niere (Nierenzellkarzinom) macht etwa 1 - 2% aller bösartigen Tumore in Deutschland aus. Meist wird das Nierenzellkarzinom als Zufallsbefund bei Schnittbilduntersuchungen (z.B. Ultraschall, Computertomographie, Magnetresonanztomographie) festgestellt. Je früher das Nierenzellkarzinom entdeckt wird, umso besser ist die Chance auf Heilung. Wird das Nierenzellkarzinom erst durch Blut im Urin oder Flankenschmerz entdeckt, so ist der Tumor meist schon fortgeschritten und die Prognose dementsprechend schlechter.

 

Die Therapie der Wahl war lange Zeit die komplette chirurgische Entfernung der betroffenen Niere. Der Tumor ist damit sicher vollständig entfernt, aber diese Patienten haben fortan nur noch eine Niere. Im Laufe der Zeit wurden die chirurgischen aber auch die radiologisch-interventionellen Techniken weiterentwickelt, so dass für früh entdeckte Nierenzellkarzinome (kleiner als 4 cm im Durchmesser) ohne sichtbare Fernmetastasen heutzutage entweder die Nieren-erhaltende Resektion (partielle Nephrektomie (PN)) oder die Radiofrequenzablation (RFA) des Tumors angeboten werden kann. Die RFA ist besonders gut geeignet für Patienten mit hohen Operationsrisiken oder Patienten, die bereits nur noch eine Niere besitzen.

 

Wie funktioniert die RFA?

 

Bei der Radiofrequenzablation (RFA) des Nierenzellkarzinoms wird unter Ultraschall- oder computertomographischer Steuerung eine dünne Nadel (Applikator) in den Tumor eingebracht (Abbildung 1). Über einen angelegten Wechselstrom kommt es an der Nadelspitze zu einer Bewegung der geladenen Teilchen (Ionen), so dass das Gewebe nahe der Nadelspitze bis auf 120°C erhitzt wird. Durch diese Erhitzung kommt es zum sofortigen Untergang der Tumorzellen. Wir führen diese Intervention ohne Vollnarkose unter starken Schmerzmitteln durch. Die gesamte Intervention dauert ca. 90 Minuten. Der Patient muss mit einem Krankenhausaufenthalt von ca. 3 Tagen rechnen.

 

Abbildung 1: Prinzip der Radiofrequenzablation (RFA): Durch Anlegen eines hochfrequenten Wechselstroms (400 - 500 kHz) kommt es zu einer sehr schnellen Bewegung der geladenen Teilchen nahe des in den Tumor eingebrachten Applikators. Diese Bewegung der Teilchen führt zu einer Erhitzung des umgebenden Gewebes und somit zum Tumorzelluntergang.

 

Welche Vorteile bietet die RFA gegenüber anderen Verfahren?

 

Bei Tumoren kleiner 4 cm im Durchmesser konnte die Radiofrequenzablation ähnliche langfristige Überlebensraten wie die chirurgische Therapie aufweisen. Nach der Therapie sind regelmäßige Kontrollen mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie unerlässlich, da der Tumor ähnlich wie bei der chirurgischen Therapie sowohl an der behandelten Stelle, als auch an anderer Stelle im Körper wiederkehren kann.

 

Welche Komplikationen können bei der RFA auftreten?

 

Die behandlungsbedingte Komplikationsrate der RFA ist sehr gering. Potentielle Komplikationen bestehen bei der RFA im Zusammenhang mit der perkutanen Katheterpositionierung. Verletzungen von umliegenden Organen (z. B. Lunge, Darm) oder Blutungen können mit Hilfe der Punktion unter computertomographischer Sicht in der Regel vermieden werden.

 

Um thermische Komplikationen wie Verbrennungen am Darm oder anderen Nachbarorganen zu vermeiden, erfolgt die Radiofrequenzablation unter computertomographischer Kontrolle, um den größtmöglichen Abstand zu diesen Strukturen einzuhalten.

 

Bei Ablation sehr großer Tumorvolumina kann es durch den Tumorzerfall und dadurch bedingte körpereigene Reaktionen 4 – 6 Stunden nach dem Eingriff zu Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit kommen. Die Symptome halten nur einige Stunden an und können mittels medikamentöser Behandlung beherrscht werden.

 

Nachsorge

 

Für die Therapie nehmen wir die Patienten für ca. 3 - 4 Tage stationär auf. Nach der Therapie bestehen keine Einschränkungen bezüglich Ihrer üblichen Gewohnheiten. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle drei Monate empfehlen wir eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) der Nieren. Nach unserer Erfahrung ist die MRT zur Verlaufskontrolle zu bevorzugen. Die MRT können Sie ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die CT/MRT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um eine Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur weiteren Beurteilung.

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiel

 

 

Abbildung 2: Das Beispiel zeigt die Behandlung eines Nierenzellkarzinoms in der rechten Niere mittels RFA.

  1. Die vor der Behandlung erfolgte kontrastmittelverstärkte MRT zeigt ein kontrastmittelaufnehmendes Nierenzellkarzinom (Pfeil).
  2. Zur Behandlung wird die RFA-Sonde unter CT-fluoroskopischer Sicht perkutan in den Tumor vorgeschoben. Sobald die Sonde korrekt platziert ist, erfolgt die Ablation des Tumors.
  3. Die kontrastmittelverstärkte MRT 7 Jahre nach RFA zeigt eine erfolgreiche Ablation des Herdes, ohne Fortschreiten im langfristigen Verlauf.