Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

  1. Thorpe A, Neal D. Benign prostatic hyperplasia. Lancet 2003; 361: 1359–1367
  2. Rosario DJ, Bryant R. Benign Prostatic Hyperplasia. Surgery (Medicine Publishing) 2002; 20: 268–272
  3. Carnevale FC, Da Motta-Leal-Filho JM, Antunes AA, et al. Quality of life and clinical symptom improvement support prostatic artery embolization for patients with acute urinary retention caused by benign prostatic hyperplasia. J Vasc Interv Radiol 2013; 24: 535–542
  4. Pisco JM, Rio Tinto H, Campos Pinheiro L, et al. Embolisation of prostatic arteries as treatment of moderate to severe lower urinary symptoms (LUTS) secondary to benign hyperplasia: results of short- and mid-term follow-up. Eur Radiol 2013; 23: 2561–2572
  5. Golzarian J, Antunes AA, Bilhim T, et al. Prostatic Artery Embolization to Treat Lower Urinary Tract Symptoms Related to Benign Prostatic Hyperplasia and Bleeding in Patients with Prostate Cancer: Proceedings from a Multidisciplinary Research Consensus Panel. J Vasc Interv Radiol 2014

Die Prostata-Arterienembolisation (PAE) bei benigner Prostatahyperplasie (BPH)

 

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH), also die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, ist die häufigste gutartige Tumorerkrankung des Mannes und tritt vornehmlich im fortgeschrittenen Lebensalter auf. So weisen mehr als die Hälfte aller Männer über 60 Jahre eine entsprechende Organvergrößerung auf, im Alter von 70 Jahren bereits 70%. Allerdings entwickeln davon nur knapp 1/3 Symptome, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Hierzu zählt in erster Linie ein vermehrter Harndrang, auch des Nachts, mit gleichzeitiger Störung der Blasenentleerung mit abgeschwächtem Harnstrahl und langem Nachtröpfeln des Urins. In einigen Fällen können aber auch ein akuter, sehr schmerzhafter Harnverhalt, also die vollständige Unfähigkeit die Harnblase zu entleeren, eine Inkontinenz, eine Schädigung der Nieren aufgrund des chronischen Rückstaus des Urins oder wiederholte Harnwegsinfektionen auftreten.

 

Die Behandlung einer symptomatischen BPH erfolgt zunächst medikamentös, wodurch sich gerade milde Beschwerden gut kontrollieren lassen. Reicht eine solche Behandlung nicht aus, wird in der Regel empfohlen, Teile der Prostata operativ zu entfernen (Transurethrale Resektion oder Prostataenukleation). Die PAE stellt eine neue, minimal-invasive Behandlungsalternative zur operativen Therapie dar.

 

Wie funktioniert die PAE?

 

Über ein ca. 2 mm kleines Loch in der Leiste als Zugang zum Gefäßsystem gelangt man mit einem dünnen Katheter in die Gefäße zu den Beckenorganen und von dort mit einem noch feineren Katheter (ca. 1 mm Durchmesser) in die Äste, die die Prostata mit Blut versorgen. Unter Röntgenkontrolle wird die korrekte Position sichergestellt und anschließend werden kleinste Kunststoffpartikel in die versorgenden Gefäße der vergrößerten Prostata eingeschwemmt, wodurch der Blutfluss unterbrochen wird. Infolge dessen ist die erkrankte Prostata unterversorgt und schrumpft. Dies führt bei ca. 3/4 der Betroffenen zu einer raschen und anhaltenden Symptomverbesserung. Vor, während und nach dem Eingriff erhalten die Patienten Medikamente, die einen möglichst schmerzfreien Eingriff gewährleisten sollen. Auf eine Narkose und die damit verbundenen Risiken kann bei der PAE verzichtet werden.

 

Für welche Patienten ist die PAE geeignet?

 

Zunächst muss sichergestellt sein, dass die geäußerten Beschwerden tatsächlich durch eine BPH verursacht werden. Hierfür werden die typischen Symptome mittels eines speziell für diese Erkrankung entwickelten, kurzen Fragebogens erfasst und ausgewertet, die Flussdynamik beim Wasserlassen untersucht und die Prostatavergrößerung mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) dokumentiert. Darüber hinaus muss eine bösartige Raumforderung des Organs, das Prostatakarzinom, ausgeschlossen werden, da dieses eine gänzlich andere Therapie erfordert. Hierfür erfolgt die Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Da dieser PSA-Wert manchmal aber auch im Rahmen einer BPH erhöht sein kann, erfolgt in solchen Fällen die weitere Abklärung mittels MRT der Prostata und ggf. einer Biopsie. Diese Diagnostik ist mit der Vorbereitung auf eine operative Behandlung der BPH vergleichbar. Für die Planung der PAE erfolgt zudem die exakte Darstellung der Beckengefäße und speziell der Gefäße zur Prostata mittels MRT oder Computertomographie (CT). Mit dieser Vorinformation kann die PAE sicherer und schonender durchgeführt werden. In einigen Fällen ist die Therapie aufgrund von ausgeprägten Gefäßverkalkungen nicht anwendbar, so dass die genaue Voruntersuchung einen unnötigen Eingriff verhindert.

 

Welche Komplikationen und Nebenwirkungen können bei der PAE auftreten?

 

Nebenwirkungen der Therapie sind selten und in den überwiegenden Fällen leicht zu behandeln, so dass keine nachteiligen Spätfolgen entstehen. Dazu zählen leichte Schmerzen oder ein brennendes Gefühl in der Harnröhre oder dem Anus während der Embolisation trotz der Schmerzmedikation (ca. 9%), Harnwegsinfekte, die sich gut antibiotisch behandeln lassen (7-8%), oder ein akuter Harnverhalt (2-3%), der mittels kurzzeitiger Einlage eines Harnblasenkatheters überwunden werden kann. Weitere, seltenere Nebenwirkungen sind Blut im Urin oder geringe Blutauflagerungen auf dem Stuhl für einige Tage nach der PAE. Hinzu kommen allgemeine Risiken einer Katheteruntersuchung, wie ein Hämatom (Nachblutung) an der Punktionsstelle in der Leiste, oder eine Kontrastmittelunverträglichkeit. Aufgrund der gründlichen Vorbereitung auf die Behandlung und einer sorgfältigen Nachbetreuung bleiben diese Komplikationen jedoch die Ausnahme.

 

Im Gegensatz zu den operativen Behandlungsoptionen sind bislang keine kurz- oder  langfristig nachteiligen Effekte auf die sexuelle Potenz oder die Kontinenz beschrieben worden.

 

Nachsorge

 

Für die Behandlung werden die Patienten ca. 3 bis 5 Tage stationär aufgenommen. Etwa die Hälfte der Patienten zeigt bereits zum Zeitpunkt der Entlassung eine deutliche Verbesserung der Symptome, nach 4 bis 6 Wochen lässt sich der Erfolg der Behandlung dann sicher bewerten. Neben der standardisierten Erfassung der verbliebenen Symptome mittels desselben Fragebogens wie vor der PAE und dem Vergleich mit den Ausgangswerten erfolgt bei uns zur wissenschaftlichen Bewertung dieses neuen Behandlungsverfahrens eine weitere MRT der Prostata zur Bestimmung der Größenänderung.

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiele

 

Die Magnetresonanztomographie ist sehr gut geeignet die Prostata und mögliche Veränderungen, z.B. im Rahmen einer benignen Prostatahyperplasie (BPH), darzustellen. In den ausgewählten Fallbeispielen findet sich linksseitig im Bild die Ansicht von vorne und rechtsseitig die Ansicht von der Seite auf die Prostata und die umliegenden Organe. Oberhalb der Prostata befindet sich die Harnblase (schwarzer Stern), welche in dieser Untersuchung hell zur Darstellung kommt. Abbildung 1 zeigt eine normal große Prostata. In den Fallbeispielen der Abbildungen 2 bis 4 finden sich zunehmend schwerere Formen der BPH mit knotiger Vergrößerung des Organs. Je größer die Prostata dabei wird, desto stärker wölbt sie sich in die Harnblase vor. Hierdurch und durch die Kompression der Harnröhre in ihrem Verlauf durch die vergrößerte Prostata erklären sich die Beschwerden beim Wasserlassen.

 

Abbildung 1

 

Abbildung 2

 

Abbildung 3

 

Abbildung 4