Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

DE | EN | RU

Literatur

  1. S3-Leitlinie Hepatozellulläres Karzinom. http://www.krebsgesellschaft.de/download/s3-hcc-ol-langversion_v1.0_2013.pdf
  2. Forner A, Llovet JM, Bruix J. Hepatocellular carcinoma. Lancet. 2012;379(9822):1245-55
  3. Gervais DA, Goldberg SN, Brown DB, Soulen MC, Millward SF, Rajan DK. Society of Interventional Radiology position statement on percutaneous radiofrequency ablation for the treatment of liver tumors. J Vasc Interv Radiol. 2009;20(1):3-8
  4. Goldberg SN, Charboneau JW, Dodd GD, 3rd, Dupuy DE, Gervais DA, Gillams AR, et al. Image-guided tumor ablation: proposal for standardization of terms and reporting criteria. Radiology. 2003;228(2):335-45
  5. Goldberg SN, Grassi CJ, Cardella JF, Charboneau JW, Dodd GD, 3rd, Dupuy DE, et al. Image-guided tumor ablation: standardization of terminology and reporting criteria. J Vasc Interv Radiol. 2009;20(7 Suppl):S377-90

Radiofrequenzablation (RFA) zur Behandlung von Lebertumoren

 

Nur eine Minderheit von Patienten mit primären Lebertumoren (Leberzellkarzinom [HCC], Gallenwegskarzinom [CCC]) oder sekundären Lebertumoren (Lebermetastasen) kann bei Diagnosestellung aufgrund der Tumoranzahl, Tumorlokalisation oder weiterer Begleiterkrankungen chirurgisch therapiert werden. Außerdem können gelegentlich nach Entfernung intrahepatische Rezidive (neue Tumore im restlichen Lebergewebe) entstehen. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden verschiedene Verfahren entwickelt, die eine gezielte Zerstörung der Lebertumoren bei gleichzeitiger Erhaltung des gesunden Lebergewebes ermöglichen. Die Radiofrequenzablation (RFA) ist eine häufig eingesetzte und wissenschaftlich weit erforschte minimal-invasive Therapie zur lokalen Behandlung von primären und sekundären Lebertumoren.

 

Zahlreiche Studien konnten in den vergangenen Jahren die Sicherheit und Effizienz dieser Technik wissenschaftlich belegen, so dass die RFA heute als die Therapie der Wahl zur Behandlung von inoperablen (chirurgisch nicht resezierbaren) Lebertumoren gilt.

 

Wie funktioniert die RFA?

 

Der Wirkmechanismus der RFA basiert auf der Hitzekoagulation des Tumors (Tumorzerstörung durch Wärme) mit Hilfe einer ca. 3 mm durchmessenden Nadelelektrode, die unter Bildsteuerung ins Tumorinnere eingebracht wird (Abbildung 1).

 

 

Abbildung 1: Eine dünne Nadel (Applikator) wird durch die Haut in den Tumor eingebracht. Über einen angelegten Wechselstrom kommt es an der Nadelspitze zu einer Bewegung der geladenen Teilchen (Ionen), so dass das Gewebe nahe der Nadelspitze bis auf 100°C erhitzt wird. Durch diese Erhitzung kommt es zum sofortigen Untergang der Zellen.

 

 

Die Bildsteuerung kann mittels Ultraschall (US), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen. Nach perkutaner (durch die Haut) Positionierung bewirkt die Aktivierung der Nadelelektrode im Zielorgan eine lokale Gewebeerhitzung (bis ca. 100°C) des Tumorareals mit anschließender Koagulationsnekrose (Zelltod durch Erhitzung) des Tumors. Nach der Ablation, die ungefähr 15 - 30 Minuten dauert, wird die Nadelelektrode wieder entfernt und der Stichkanal verödet. Das gesamte Verfahren kommt ohne größere Hautschnitte aus, so dass es als minimal-invasiv bezeichnet werden kann. Der Eingriff wird in der Regel sehr gut unter lokaler Betäubung und einem starken Schmerzmittel vertragen, so dass in den meisten Fällen auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann. Üblicherweise reicht bei kleinen Lebertumoren eine einmalige RFA-Behandlung aus; größere Tumoren (>4 cm) werden an unserer Klinik nicht mittels RFA behandelt, da in diesen Fällen andere minimal-invasive Verfahren besser geeignet erscheinen, z. B. die Hochdosis-Brachytherapie. Sollten sich im weiteren Verlauf der Erkrankung erneut Lebertumore zeigen, so kann die RFA jederzeit wiederholt werden.

 

Welche Komplikationen können mit der RFA verbunden sein?

 

Die behandlungsbedingte Komplikationsrate der RFA ist gering. Potentielle Komplikationen bestehen im Zusammenhang mit der perkutanen Positionierung der RFA-Sonde. Verletzungen von umliegenden Organen oder Blutungen können mit Hilfe der Punktion unter computertomographischer Sicht in der Regel vermieden werden. Weitere, sehr seltene Komplikationen sind thermische Schäden an umliegenden Organen, z.B. Haut, Niere, Darm, Magen oder Lunge.

 

Stärken und Schwächen der RFA

 

Die RFA stellt nachweislich eine effektive, sichere und komplikationsarme Behandlungsoption für Patienten mit primären oder sekundären Lebertumoren dar. Mehrere internationale Studien konnten zeigen, dass man mit der RFA bei ausgewählten Patientengruppen lokale Tumorkontrollraten erzielen kann, die vergleichbar sind mit denen der chirurgischen Resektion. Die RFA ist außerdem aufgrund der bildgesteuerten Einführung der RFA-Sonden in den Tumor ohne größere Hautschnitte sehr gut verträglich und komplikationsarm. Dies gilt auch für Patienten mit vorangegangenen Bauchoperationen oder weiteren Begleiterkrankungen, die gegen eine erneute Operation sprechen würden.

 

Der Einsatz der RFA unterliegt jedoch in Bezug auf Größe und Lage der Lebertumoren einigen wichtigen Einschränkungen. Mit den aktuell verfügbaren RFA-Sonden sind Tumore bis zu einem Durchmesser von max. 4 - 5 cm therapierbar. Der tumorzerstörende Effekt der RFA wird auch durch die Lage und Durchblutung der Lebertumore beeinflusst. Eine starke Durchblutung des Tumors oder angrenzende größere Blutgefäße bewirken einen Wärmeabtransport, so dass in der Nähe befindliche Tumorzellen unter Umständen nicht ausreichend thermoinduziert geschädigt werden. Daher können Tumoren, die stark durchblutet sind oder sich in enger Nachbarschaft zu größeren Blutgefäßen befinden, oft nicht ausreichend mittels RFA behandelt werden. Die Nähe von thermosensiblen Strukturen (z. B. Gallenwege oder Darmschlingen) stellt eine weitere Limitation der RFA dar. Diese thermosensiblen Strukturen können nämlich durch die Gewebserhitzung während der Ablation geschädigt werden.

 

Die RFA wird daher generell nicht bei Lebertumoren, die eine Größe von 5 cm überschreiten oder sich in der Nähe thermosensibler Strukturen wie den großen zentralen Gallenwegen befinden, angewendet.

 

Nachsorge nach RFA

 

Für die Therapie bleiben die Patienten für ca. 3 - 4 Tage auf unserer Station. Anschließend bestehen keine Einschränkungen bezüglich Ihrer üblichen Gewohnheiten. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle 3 Monate empfehlen wir eine ambulante Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber, möglichst mit Leberzell-spezifischem Kontrastmittel, um den Ablationserfolg zu überprüfen und neue Lebertumore auszuschließen. Dieses MRT können Sie ambulant in unserer Klinik oder auch auswärts anfertigen lassen. Sollte die MRT-Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um eine Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur Qualitätskontrolle.

 

Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Wir helfen Ihnen gerne!

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiel

 

 

Abbildung 2: Das Beispiel zeigt die Durchführung der RFA zur Behandlung eines kleinen Leberzellkarzinoms bei einem Patienten mit ausgeprägter Leberzirrhose.

 

  1. Die vor der Behandlung erfolgte kontrastmittelverstärkte CT zeigt einen hellen Tumorherd (Pfeil) unterhalb der Leberkapsel (subkapsulär).
  2. Zur Behandlung wird die RFA-Sonde unter CT-fluoroskopischer Sicht in den Tumor vorgeschoben. Sobald die Sonde korrekt platziert ist, erfolgt die Ablation des Herdes.
  3. Die nach der RFA durchgeführte CT mit Kontrastmittel zeigt eine erfolgreiche Ablation des Herdes (Pfeil), der jetzt kein Kontrastmittel mehr aufnimmt und dunkler erscheint als vor der Behandlung.