Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Klinik für Radiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Literatur

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Transarterielle Chemoembolisation (TACE) zur Behandlung lebereigener Tumoren

 

Bei der Chemoembolisation handelt es sich um ein angiographisches Verfahren zur Behandlung stark durchbluteter Lebertumoren.

 

Wie funktioniert die TACE?

 

Primärer Leberzellkrebs (das hepatozelluläre Karzinom (HCC)) hat die besondere Eigenschaft, stark von der Leberarterie durchblutet zu sein. Auch andere Lebertumore und -metastasen werden über die Leberarterie durchblutet, im Gegensatz zum normalen Lebergewebe, das vor allem über die Pfortader versorgt wird. Auch bei diesen Tumoren ist eine transarterielle Chemoembolisation (TACE) möglich.

 

Der Umstand der unterschiedlichen Durchblutung wird bei der TACE genutzt, um gezielt Medikamente über einen Katheter in der Schlagader der Leber (Leberarterie) in die Tumoren zu bringen.

 

Hierzu wird ein sehr feiner Katheter (Mikrokatheter) bis unmittelbar vor den Tumor in der Leber gebracht (Abbildung 1). Über diesen Katheter wird an der Charité eine Medikamentenmischung aus Lipiodol, Doxorubicin und Mitomycin C direkt in den Tumor gegeben. Anschließend werden die tumorversorgenden Arterien mit feinen Partikeln verschlossen (Embolisation), so dass das Chemotherapeutikum möglichst lange im Tumor verbleibt.

 

Abbildung 1: Der Tumor in der Leber wird über die Leberarterie mit Blut versorgt. Mittels eines über die Leistenarterie eingebrachten kleinen Schlauchs (Katheter) wird das Chemotherapeutikum und das gefäßverschließende Medikament (Embolisat) direkt in die den Tumor versorgende Arterie eingespritzt.

 

Somit werden bei der TACE zwei Effekte genutzt: Zum einen die starke tumorbekämpfende Wirkung der Chemotherapeutika in unmittelbarer Nähe des Tumors, zum anderen die mangelnde Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des veränderten Gewebes durch Verschluss der zuführenden Arterien (Embolisation). (Abbildung 2a und b).

 

Für welche Patienten ist die TACE geeignet?

 

Die TACE eignet sich für unterschiedliche Patientengruppen. Am häufigsten wird die TACE bei Patienten eingesetzt, bei denen eine Operation der Lebertumore aufgrund der Größe, der Anzahl, der Lage oder der Begleiterkrankungen nicht möglich ist. Ziel ist es hier, das Fortschreiten der Erkrankung (z. B. Tumorwachstum) so lange wie möglich zu verhindern und die Beschwerden (Symptome) für den Patienten zu reduzieren (= palliative Therapie). Hierbei konkurriert die TACE mit der CT-gesteuerten Brachytherapie (CT-HDRBT), der Radiofrequenzablation (RFA), der Radioembolisation (SIRT) und medikamentösen Therapien, z. B. Sorafenib (Nexavar).

 

Weiterhin kann man die TACE bei Patienten einsetzen, deren Tumor zu groß für eine mögliche Operation oder Resektion ist. Ziel ist es, ein Schrumpfen der Tumore zu erreichen, so dass anschließend eine Resektion oder Operation stattfinden kann (= Downsizing). Eine weitere Option ist der Einsatz der TACE für Patienten, die auf der Warteliste zur Lebertransplantation stehen. Aufgrund des Organmangels in Deutschland kann es einige Monate dauern, bis der Patient ein neues Organ bekommt. Um zu verhindern, dass die Tumore in dieser Zeit wachsen und der Patient dann eventuell nicht mehr für die Lebertransplantation geeignet ist, wird die TACE in letzter Zeit immer häufiger eingesetzt (= bridge-to-transplantation).

 

Zur Auswahl der richtigen Therapien berät Sie zum einen Ihr behandelnder Arzt, zum anderen setzen sich an der Charité Ärzte unterschiedlicher Disziplinen in Tumorboards zusammen, um jeden Fall individuell zu besprechen und die am Besten geeignete Therapie auszuwählen.

 

Was passiert nach der TACE?

 

Da die TACE, wie fast alle Angiographien, in der Regel über eine Leistenschlagader erfolgt, erhalten alle Patienten einen Druckverband und müssen für mehrere Stunden Bettruhe einhalten. Am Folgetag wird in der Regel eine Computertomographie des Oberbauchs durchgeführt, um die Einlagerung der Medikamente im Tumor zu dokumentieren.

 

Die Chemoembolisation wird meist nach 6 - 8 Wochen wiederholt, da Leberkrebs die Eigenschaft hat neue Blutgefäße auszubilden, die für ein gutes Therapieergebnis in einer weiteren Sitzung chemoembolisiert werden müssen.

 

Welche Komplikationen und Nebenwirkungen können bei der TACE auftreten?

 

Schwerwiegende Komplikationen der TACE sind sehr selten. Zunächst gibt es die allgemeinen Risiken wie Allergien auf Medikamente. Diese versuchen wir durch eine gründliche Anamnese vorab und ggf. spezielle Medikamentengabe soweit wie möglich zu reduzieren. Zum anderen können wie bei allen Angiographien Nachblutungen an der Punktionsstelle auftreten; dies kann weitgehend durch einen guten Druckverband und die Bettruhe vermieden werden. Zusätzlich führen wir am Tag nach dem Eingriff Ultraschallkontrollen durch.

 

Eine typische Nebenwirkung nach TACE ist das sogenannte „Postembolisationssyndrom“. So wird ein Symptomenkomplex bezeichnet, der häufig mit Übelkeit, Druck im Oberbauch, Schmerzen, Gelenkschmerzen und Schwitzen einhergeht. Dabei handelt es sich um eine normale Reaktion des Körpers auf die Behandlung durch Freisetzung von Botenstoffen des absterbenden Gewebes. In der Regel korreliert das Ausmaß des Postembolisationssyndroms mit der Größe des Tumors und dem Ansprechen auf die Therapie. Diese Beschwerden sind in der Regel im Rahmen des stationären Aufenthalts gut zu beherrschen.

 

Nachsorge

 

Für die Therapie werden die Patienten für ca. 3 - 4 Tage auf unserer Station aufgenommen. Nach der Therapie bestehen keine Einschränkungen bezüglich der üblichen Gewohnheiten. Wie oben beschrieben, bitten wir in der Regel nach 6 - 8 Wochen zu einer zweiten Therapiesitzung. Im weiteren Verlauf führen wir eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber durch, um das Behandlungsergebnis zu kontrollieren und zu entscheiden, ob eine dritte TACE erforderlich ist, bzw. weitere Therapieschritte zu planen.

 

  • Kontakt:

Minimal-invasive Tumortherapie (MITT)

Charité, Campus Virchow-Klinikum

Klinik für Radiologie

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Tel.: 030/450-557309

Fax: 030/450-557947

minimal-invasive-ambulanz@charite.de oder mia@charite.de

 

Fallbeispiel

 

Abbildung 2a

 

Abbildung 2b

 

Abbildung 2

Die Abbildung illustriert die Behandlung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) mittels transarterieller Chemoembolisation (TACE).

  1. Großes, gut durchblutetes Karzinom vor der Embolisation; der Mikrokatheter wurde bereits in die zuführende Arterie innerhalb der Leber vorgeführt.
  2. Man erkennt die Embolisate im Tumor und die Unterbrechung der Gefäßversorgung des Tumors.